Teenager an die Hand nehmen

Carmen Eckert (links, Diakonisches Werk) und Thomas Anemüller (rechts, Edward-Uihlein-Schule) betreuen im laufenden Schuljahr die Übergangsgruppe Wertheim.  Foto: Diakonisches Werk im Main-Tauber-Kreis.

Carmen Eckert (links, Diakonisches Werk) und Thomas Anemüller (rechts, Edward-Uihlein-Schule) betreuen im laufenden Schuljahr die Übergangsgruppe Wertheim.
Foto: Diakonisches Werk im Main-Tauber-Kreis.

Teenager an die Hand nehmen

„Übergangsgruppe Wertheim“ bietet Teenagern ab der 7. Jahrgangsstufe Hilfe – Motivationsaufbau statt Null-Bock-Haltung – Mädchen und Jungen werden wieder an den regulären Schulbesuch herangeführt

 Wertheim. Jannik M. ist 15.⃰ Er lebt zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Schwestern in einer kleinen Mietwohnung. Zu seinem Vater hat Jannik keinen Kontakt mehr. Auf Schule und Lernen hat er gerade keinen Bock  „Versetzung gefährdet“ stand im Halbjahreszeugnis. „Meine Mutter“, sagt er, „kann mir sowieso nicht beim Lernen helfen. Sie ist nachmittags arbeiten und außerdem spricht sie eh nicht so gut Deutsch“. Statt im Unterricht oder über den Hausaufgaben sitzt er lieber bei seinen älteren Kumpels. Zockt Minecraft statt Mathe zu büffeln. Sein Smartphone und er – eine untrennbare Einheit. Was um ihn herum passiert, nimmt er gar nicht richtig wahr. Wie er das Schuljahr noch schaffen soll, weiß er nicht und es ist ihm auch egal. Höchste Zeit, einzugreifen, fand seine Lehrerin.

Seine Lehrerin und seine – zunächst ahnungslose – Mutter geben Jannik nicht auf. Mit Mühe können sie ihn zu einem Kontakt zur Jugendsozialarbeiterin ermutigen. Alle möchten, dass er das Schuljahr schafft, wieder Anschluss an seine Klassengemeinschaft findet. Carmen Eckert vom Diakonischen Werk im Main-Tauber-Kreis bietet ihm an, in die Übergangsgruppe zu kommen, um einzeln und in der Kleingruppe mit ihm Versäumtes nachzuholen und über seine Sorgen aber auch seine Zukunftswünsche zu sprechen. Jannik stimmt zu und besucht mit Absprache der Klassenlehrerin tage- und stundenweise die Übergangsgruppe. Dort gefällt es ihm und das Lernen macht ihm wieder Spaß. „Ich kann ja doch was“, stellt er nach einigen Tagen erstaunt fest. Nach wenigen Wochen hat er das Gefühl, wieder dabei zu sein. Er kommt inzwischen wieder regelmäßig zum Unterricht. Sogar ein Praktikum in einem Bestenheider Industriebetrieb hat er in Aussicht.

SchülerInnen, die gar nicht oder nicht ausreichend motiviert sind – das kann aus psychischen, gesundheitlichen oder familiären Gründen sein – drohen allmählich den Anschluss zu verlieren und in eine Abwärtsspirale zu geraten. Spätestens dann müssen auch 15-jährige Jugendliche an die Hand genommen werden. Insgesamt 15 Jahre, davon seit 2007 in Trägerschaft der Kinder- und Jugendhilfe des Diakonischen Werks, gibt es hierfür ein schulisches Angebot: die „Übergangsgruppe Wertheim“. Sie bietet Teenagern ab der 7. Jahrgangsstufe konkrete, niederschwellige Hilfe an, leistet Motivationsaufbau und führt die Mädchen und Jungen wieder an den regulären Schulbesuch heran.

Lernen in kleinen Gruppen, eine individuell und flexibel gestaltete Unterstützung, ein intensiver Beziehungsaufbau sowie das Üben von sozialen Kompetenzen: So gelingt es den SchülerInnen meist, sich individuell und sozial zu stabilisieren und einen „Neuanfang“ zu gestalten. Die Jugendlichen verlassen hierfür stunden-, tage- oder wochenweise ihren Klassenverband. Carmen Eckert (Diakonisches Werk) und Thomas Anemüller (Edward-Uihlein-Schule) fördern in dieser Zeit individuell mit Einzelunterricht und Kleingruppenarbeit. Wichtig ist bei einem Neustart eine enge Kooperation mit der Klassenlehrkraft, der Schulsozialarbeit und vor allem den Eltern.

Nicht nur Jannik kann aufgrund seiner Situation der Übergangsgruppe gemeldet werden. Auch Jugendliche, die sich in einer Krisensituation befinden (z.B. aufgrund von Trennung der Eltern, langfristiger Erkrankung, familiärer oder persönlicher Probleme) oder die im Unterricht durch ihr Verhalten auffallen (z.B. durch Stören oder inneren Rückzug, Mobbing) können von diesem Angebot profitieren. Ziel der individuellen Förderung ist die persönliche und soziale Stabilisierung der jungen Menschen, um damit Schulversagen und/oder einen drohenden Schulabbruch zu verhindern.

Das Projekt „Übergangsgruppe“ wird durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg aus Mitteln der Europäischen Union gefördert. Unterstützt wird es zusätzlich von der Stadt Wertheim, dem Jugendamt im Main-Tauber-Kreis, dem Schulamt sowie dem Diakonischen Werk im Main-Tauber-Kreis.

In der Regel nehmen die Schulen in Absprache mit den Erziehungsberechtigten Kontakt auf über:

Diakonisches Werk im Main-Tauber-Kreis
Übergangsgruppe Wertheim
Boxtaler Weg 2
97877 Wertheim

Ansprechpartnerin:
Carmen Eckert (Dipl.Pädagogin)
0178/9355557 oder 09342/935507-40

Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum Wertheim
Edward-Uihlein-Schule
97877 Wertheim

Ansprechpartner:
Thomas Anemüller (Sonderschullehrer mit Fachausbildung)
09342/6887

⃰ Name geändert

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