Cool bleiben in der Übergangsgruppe

Sozial- und sonderpädagogisches Zusatzangebot für Wertheimer Schüler*innen ab Klasse 7 – Langfristiges Ziel: Bessere Chancen auf eine Ausbildung anbahnen

Wertheim. Die Übergangsgruppe Wertheim ist mit einem neuen Team ins Schuljahr 2019/20 gestartet. Die neuen Verantwortlichen sind Sozialpädagogin Rebecca Ehrensberger (Diakonisches Werk im Main-Tauber-Kreis) und Sonderschullehrerin Stefanie Kern (Edward-Uihlein-Schule Wertheim).

Sonderschullehrerin Stefanie Kern (links) und Sozialpädagogin Rebecca Ehrensberger (rechts) betreuen im laufenden Schuljahr die Wertheimer Übergangsgruppe in den Räumen der Edward-Uihlein-Schule.

 

Jessica, 16, lebt mit ihrem Bruder bei ihrem Vater. Sie wiederholt gerade die 8. Klasse, und wieder scheint es nicht zu gelingen. Sie schwänzt häufig die Schule und der Lehrer macht nur Stress. Ständig fliegt sie aus dem Unterricht und möchte am liebsten nicht mehr hin. Zu viele Klassenarbeiten hat sie versäumt, von den Mitschüler*innen gibt es dumme Sprüche wegen ihrer Fehlzeiten und der Ruf von Ärger eilt ihr voraus. Jessica, ihr Vater, Lehrer und die Schulsozialarbeiterin haben viele Gespräche geführt, befinden sich aber in einer Sackgasse.

 

In solchen Situationen kann die Übergangsgruppe eine Auszeit bieten, sowohl für die Jugendlichen als auch betroffenen Klassen und Lehrer*innen. Eine Aufnahme ist schnell und unkompliziert möglich. Meist erfolgt der Kontakt über die Beratungslehrer*innen sowie über die Schulsozialarbeit der Stammschule in Absprache mit den Erziehungsberechtigten.

 

Jessica und ihr Vater schauen sich die Übergangsgruppe an und Jessica will sich darauf einlassen. Das Übergangsgruppenteam verständigt sich auf die wichtigsten Unterrichtsgegenstände, die der Teenager aufarbeiten muss mit dem Klassenlehrer.

 

Die Übergangsgruppe ist ein sonder- und sozialpädagogisches Angebot für Schüler*innen aller in Wertheim vertretenen Schularten ab der 7. Klasse. Befinden sich die Jugendlichen in Krisensituationen, die ihnen den Besuch ihrer Schule erschweren oder unmöglich machen, erfahren sie in der Übergangsgruppe die nötige Unterstützung bis sie wieder am Schulalltag teilnehmen können. Auslöser sind beispielsweise Trennung der Eltern, eine langfristige Erkrankung, familiäre oder persönliche Probleme. Auch Schüler*innen, die im Unterricht durch Stören oder inneren Rückzug/Mobbing stark auffallen, profitieren von diesem Angebot. Ziel ist die persönliche und soziale Stabilisierung von Jugendlichen, um Schulversagen oder gar Schulabbruch vorzubeugen und somit die Ausbildungsfähigkeit zu verbessern.

 

Jessica kann sich in der kleinen Gruppe gut aufs Lernen konzentrieren und ist erstaunt, wie zügig sie vorankommt. Schnell knüpft sie Kontakt zu den anderen Jugendlichen in der Gruppe und fasst Vertrauen zu Rebecca Ehrensberger und Stefanie Kern. Mit ihnen kann sie auch ihre eigenen Themen besprechen: „Wie geht es in der Schule und danach weiter?” „Wie kann ich auf blöde Sprüche reagieren?” „Wie schaffe ich es, in der Schule nicht gleich an die Decke zu gehen?”

Der Besuch der Übergangsgruppe wird individuell geplant. Für manche Jugendliche ist es sinnvoll diese nur tage- oder stundenweise zu besuchen und die restliche Schulzeit in der eigenen Klasse zu verbringen. Für andere ist eine komplette Beschulung über mehrere Wochen besser. In der Übergangsgruppe werden die Schüler*innen in einer Kleingruppe individuell unterrichtet und gefördert. Durch einen intensiven Beziehungsaufbau und die Vermittlung sozialer Kompetenz gelingt es den Schüler*innen meist, sich zu stabilisieren, neue Motivation aufzubauen und einen Neuanfang zu gestalten. Während der Zeit in der Übergangsgruppe besteht eine enge Abstimmung mit den Klassenlehrkräften und den Schulsozialarbeiter*innen an der Stammschule. Auch der regelmäßige Kontakt zu den Eltern spielt eine wichtige Rolle.

 

Nach einigen Wochen hat Jessica den Stoff aufgeholt und die ausstehenden Klassenarbeiten nachgeholt. Sie fühlt sich bereit, in ihre Klasse zurückzugehen, zunächst aber nur für ein paar Stunden. Wie es dort läuft, bespricht sie in der Übergangsgruppe. Sie geht inzwischen wieder regelmäßig in den Unterricht und schafft es im entscheidenden Moment, cool zu bleiben.

 

Kontakt zur Übergangsgruppe:

  • Das Projekt Übergangsgruppe wird durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg aus Mitteln der Europäischen Union gefördert.
  • Unterstützt wird es zusätzlich durch die Stadt Wertheim, das Jugendamt im Main-Tauber-Kreis, das Schulamt Künzelsau sowie dem Diakonischen Werk im Main-Tauber-Kreis.
  • Kontaktaufnahme erfolgt über:
    • Diakonisches Werk im Main-Tauber-Kreis, Übergangsgruppe Wertheim, Rebecca Ehrensberger, Telefon: 0178 9355557 oder 09342 935507-40
    • Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen Wertheim, Edward-Uihlein-Schule, Ansprechpartnerin Stefanie Kern, Telefon: 09342 6887.

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